So sah der Pflanzversuch in Mutrux (VD) im Jahr 2024, zwölf Jahre nach dem Versuchsstart, aus.Foto: PhenoAdapt-Projekt, WSL

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Pflanzversuche mit sechs nicht  heimischen Baumarten

Nicht heimischen Baumarten, die in einem bestimmten Gebiet von Natur aus nicht vorkommen und von Menschen eingeführt wurden, kommt im Zuge des Klimawandels neue Bedeutung zu. Erste Erkenntnisse aus einem Anbauversuch mit sechs solchen Arten lassen hoffen.

Jonas Glatthorn, Petia Nikolova* | Eine der wichtigsten Fragen bei der Anpassung der Waldbewirtschaftung an den Klimawandel ist die Baumartenwahl. Standortbedingungen verändern sich, und Forstpraktiker stehen vor der Herausforderung, die regionale Baumartenzusammensetzung so anzupassen, dass Waldleistungen langfristig bereitgestellt werden und die lokale Biodiversität bestmöglich gefördert wird. Welche Baumartenmischungen am besten geeignet sind, um das zu erreichen, ist häufig nicht einfach zu bestimmen. Eine Möglichkeit, mit der hohen Unsicherheit solcher Prognosen umzugehen, ist, die Beimischung potenziell zukunftsfähiger Baumarten zu fördern und damit die Resilienz der Waldbestände zu stärken und das Risiko des Ausfalls einzelner Baumarten zu streuen.

Zunehmend werden heimische Zukunftsbaumarten dabei auch durch geeignete, trockenresistente nicht-heimische Baumarten ergänzt. Da der Anbau nicht heimischer Baumarten auch mit Risiken wie biotischen Schadfaktoren oder der Entwicklung invasiver Eigenschaften verbunden ist, sollte vor einer Beimischung nicht heimischer Baum­arten untersucht werden, welche Baumarten und Herkünfte dafür prinzipiell infrage kommen. In Mutrux (VD) wurde dafür im Herbst 2012 auf 2,8 Hektaren ein wissenschaftlich begleiteter Anbauversuch von sechs noch wenig erforschten, nicht heimischen Baumarten angelegt [1, 2, 3]. Es wurden rund 6000 Bäumchen mit einem Alter von zwei bis vier Jahren gepflanzt: Westliche Hemlocktanne (Tsuga heterophylla), Riesen-Lebensbaum (Thuja plicata), Silberlinde (Tilia tomentosa), Orientbuche (Fagus orientalis), Libanonzeder (Cedrus libani) und Türkische Tanne (Abies bornmuelleriana). Deren Leistungsfähigkeit wurde im Vergleich zur einheimische Traubeneiche (Quercus petraea) untersucht. Die Mortalität und das Wachstum der Versuchsbäume werden regelmässig untersucht, die letzten Daten wurden im Herbst 2022 erhoben.

Identische Versuchsanbauten von Projektpartnern in Deutschland und Österreich [4] erlauben aktuell vorsichtige Prognosen zu Mortalität und Wachstum dieser Baumarten in der Jungwuchs- und teilweise bis zur frühen Stangenholzphase. Und zwar auch unter trockeneren Bedingungen als heute am Versuchsstandort in Mutrux, wo der Jahresniederschlag 1100 mm beträgt. Insbesondere der Vergleich mit einem Versuch in Oldisleben in Thüringen (DEU) ist interessant: Mit einem jährlichen Niederschlag von 490 mm herrschen dort deutlich trockenere Voraussetzungen. Der Umfang und die bisher kurze Laufzeit dieses Experiments, das auf zehn Jahre angelegt ist, erlauben dabei keine abschliessende Bewertung zu den Baumarten, es kann aber wertvolle Informationen zu den Besonderheiten des Anbaus und zur Etablierungsphase liefern.

Orientbuche trotzt der Trockenheit

Die Orientbuche und der Riesenlebensbaum wiesen in Mutrux eine niedrige Mortalität (unter 1% jährlich) und ein starkes Höhenwachstum von zuletzt 70 cm pro Jahr auf. Das Höhenwachstum der Orientbuche am Standort in Oldisleben beträgt trotz der niedrigen Niederschläge noch 45 cm pro Jahr. Die Orientbuche wächst also auch unter trockenen Bedingungen vergleichsweise gut. Relevante abiotische oder biotische Schäden wurden bislang keine festgestellt.

Die Silberlinde weist in Mutrux zwar eine niedrige Mortalität auf, aber auch ein für diesen Standort anfänglich niedriges Höhenwachstum von 45 cm pro Jahr. Da das Wachstum vor allem innerhalb der ersten Jahre sehr gering ausfiel, war die Verjüngung der Silberlinde in Mutrux erst nach etwa zehn Jahren gesichert. Auch danach ist ein höherer Pflegeaufwand nötig, um die Silberlinde von konkurrenzstärkerer heimischer Naturverjüngung freizustellen. Auf dem trockenen Versuchsstandort in Oldisleben ist die Bestandesetablierung der Silberlinde nicht geglückt, da die Terminaltriebe vieler Bäume immer wieder abgestorben sind und die Bäume lediglich durch die Bildung immer neuer Triebe weiterleben.

Um diese Schwierigkeiten während der Etablierungsphase zu überwinden, wird in Bulgarien, wo die Silberlinde heimisch ist, im zweiten Jahr nach der Pflanzung eines Baumes wenige Zentimeter über dem Wurzelhals ein sogenannter Stockhieb angewendet. Diese Massnahme verbessert das weitere Höhenwachstum und die Kronenbildung der Jungpflanzen mit bereits gefestigtem Wurzelsystem deutlich. Ob solche Massnahmen auch in Mitteleuropa zu besseren Ergebnissen führen, müsste in weiteren Versuchen untersucht werden.

Die Türkische Tanne war in der Initial­phase eine der getesteten Baumarten, die am langsamsten gewachsen sind. In den ersten zwei Jahren zeigte sie eine sehr hohe Mortalität von bis zu 70%, was umfangreiche Nachpflanzungen erforderte. Im weiteren Versuchsverlauf sank die jährliche Mortalität allerdings auf unter 1%. Das Höhenwachstum ist zwar mit 29 cm pro Jahr immer noch gering, aber stabil. Interessant ist, dass die Wachstumsraten der Türkischen Tanne in Oldisleben trotz der trockeneren Bedingungen ähnlich hoch sind wie in Mutrux. Dies ist ein Wuchsverhalten, das man von trockenresistenten Baumarten erwartet, da sie auch bei guter Wasserverfügbarkeit Ressourcen in eine hohe Resistenz investieren, zum Beispiel durch vermehrtes unterirdisches Wachstum. Dies wurde allerdings noch nicht weiter untersucht und wird sich erst am Wuchsverhalten und Überleben der
Bäume während zukünftiger Trockenperioden zeigen.

Höhe und Hallimasch

Die Westliche Hemlocktanne ist die am schnellsten wachsende Versuchsbaumart. Die grössten Bäume waren 2022 über 10 m hoch, das Höhenwachstum beträgt aktuell 85 cm pro Jahr. Allerdings wurde an der Hemlocktanne schon früh Befall durch Hallimasch beobachtet, was jedoch erst 2024 problematisch wurde. Vermutlich infolge des Hallimaschbefalls wurde die Hemlocktanne im Sommer und Herbst 2024 stark vom krummzähnigen Weisstannenborkenkäfer (Pityok­teines curvidens) besiedelt. Der Befall dauert 2025 weiter an, und es ist aktuell noch nicht bekannt, ob es Individuen geben wird, die überleben und sich wieder erholen werden. Insbesondere auf den Versuchsstandorten in Bayern (DEU) war die Mortalität in den letzten Jahren mit teilweise über 40% pro Jahr ebenfalls kontinuierlich hoch.

Die Libanonzeder war vor allem während der ersten zwei Jahre von 30 bis 60% Mortalität betroffen, und es mussten zahlreiche Bäume nachgepflanzt werden. Ursache dafür war möglicherweise der Umstand, dass die Zedern im Versuch als Nacktwurzler gepflanzt wurden, wodurch das Wurzelsystem leichter austrocknete. Die Nachpflanzung erfolgte deswegen mit Topfpflanzen, was die jährliche Mortalität stark verringerte. Danach war das Wachstum der Zedern sehr unterschiedlich. Die vitalsten Bäume waren 2022 über 8 m hoch, während 20% der Bäume 2 m oder weniger massen. Die Mortalität ist aktuell mit 3% pro Jahr geringer als am Anfang des Versuchs. Allerdings ist dieser Wert weiterhin verhältnismässig hoch, obwohl die Bäume noch nicht gross genug sind, um stark miteinander zu konkurrieren. Dabei sterben auch grössere Bäume ab, wie das Bild rechts zeigt.

Weitere Erkenntnisse werden benötigt

Für eine abschliessende Empfehlung zu diesen Baumarten fehlen noch valide Erkenntnisse zu späteren Entwicklungsphasen. Aktuell wird die Datengrundlage um Ergebnisse von weiteren Versuchsstandorten, von stressphysiologischen Messungen der Versuchsbäume und von einer wissenschaftlich fundierten Zuordnung des Einflusses der Baumarten auf die heimische Biodiversität erweitert. Schon heute werden in Mutrux einige dieser Aspekte studiert, wie beispielsweise im «Pheno­Adapt-Projekt», das Phänologie und Physiologie der Versuchsbäume untersucht [5]. Zusätzliche Untersuchungen zu weiteren Aspekten der Zukunftsfähigkeit der Versuchsbaumarten sind geplant.

Zumindest für die Orientbuche, den Riesenlebensbaum und die Türkische Tanne zeigt der Versuch bereits heute, dass es sich lohnt, diese Arten in weiteren praxisnahen Versuchen zu testen. In geringerem Mass gilt dies auch für Silberlinde, Hemlocktanne und Libanonzeder, wobei bei diesen weitere artspezifische Anbauerfahrung notwendig ist. Das kurzfristige Ziel sollte daher vorerst sein, weitere Erfahrung aus bestehenden Praxisanbauversuchen zu sammeln. Langfristig ist wichtig, bei erfolgreicher Entwicklung zukünftig Samenbäume zur Verfügung zu haben, die bereits lokal angepasst sind.

 

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