In Schweizer Wäldern wird in dieser Jahreszeit wieder vermehrt Holz geschlagen.Bilder: WaldSchweiz

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Für die neue Saison im Forst ist verhaltene Zuversicht angesagt

Nach einem feuchten Sommer und einem Rückgang der Schadholzbestände erwarten Holzmarkt­experten eine gute Saison. Doch auch wenn sich die Preise erholen, die Nachfrage hoch bleibt und die Sägewerke auf Schweizer Holz setzen, bleiben sie vorsichtig.

Ralph Möll, Michael Clottu | Der Herbst ist da und mit ihm die traditionelle Holzschlagsaison. Auch wenn in einigen Gebieten auch zu anderen Jahreszeiten geholzt wird, ist dies die Zeit, auf die passionierte Forstwartinnen und Forstwarte seit dem Frühling gewartet haben. Nun wird geerntet, was die Holzindustrie im besten Fall schon frühzeitig bestellt hat, Vereinbarungen werden abgearbeitet und Polter errichtet. Die Holzverkaufsorganisationen schauen zuversichtlich auf die neue Saison. Dies einerseits, weil die Holzpreise höher sind als in der Vergangenheit. Andererseits, weil sich aufgrund der Witterungsbedingungen während der letzten Saison die Machtverhältnisse leicht zugunsten der Waldeigentümerinnen und -eigentümer verschoben haben. Aufgrund der feuchten Witterung ist viel weniger günstiges Schadholz vorhanden als in den Jahren zuvor. Das bedeutet, dass die Holzindustrie mehr «wertiges» Holz einkaufen muss, um ihre Bedürfnisse mit Schweizer Holz decken zu können.

«Wir müssen fair miteinander umgehen»

Ruedi Bachmann, Betriebsleiter Forst bei der Korporation Zug, hat die Annäherung von Angebot und Nachfrage vor allem beim Nadelstammholz ebenfalls zur Kenntnis genommen. Dass deswegen nun die Holzpreise in die Höhe schiessen, hält er jedoch für wenig wahrscheinlich. «Höhere Preise landen am Ende beim Konsumenten. Und wenn Schweizer Holz zu teuer zum Bauen wird, kommt halt wieder Beton zum Einsatz. Das ist unsere wahre Konkurrenz.» Die Investitionen grosser Sägereien wie Schilliger oder Tschopp in den Werkplatz Schweiz zeigten ausserdem, dass die Holzindustrie an Schweizer Holz glaube. «Wir müssen halt fair miteinander umgehen und die Preise so gestalten, dass am Schluss alle ihren Schnitt machen und zufrieden sind.»

Für die anstehende Holzschlagsaison ist Ruedi Bachmann, der auch als Geschäftsführer von WaldZug amtet, guter Dinge: «Mit unseren Kunden verbinden uns langjährige Geschäftsbeziehungen. Dank partnerschaftlichen Vereinbarungen wissen wir bereits Anfang Saison, welches Holz wir wann schlagen müssen.» So können die Zuger Waldeigentümer die Sortimente entsprechend ausformen, und jeder Schlag sei Teil eines Auftrags. Auch in den Zuger Wäldern fällt bisweilen Schadholz – als Folge von Sturm- oder Käferereignissen – an. Für Ruedi Bachmann ist das kein Problem, denn 10 bis 20 Prozent Schadholz seien bei Vereinbarungen gut unterzubringen. «Früher war Schadholz immer ein wenig Casino. Heute steht es in den Preislisten drin und wird wie jedes andere Holz gehandelt.»

Dass sich eine faire Preisgestaltung für Waldeigentümerinnen und -eigentümer auszahlen kann, zeige der Start der neuen Saison: «Bei den grossen Abnehmern haben wir eine markante Preiserhöhung für Nadelstammholz festgestellt.» Auch beim Laubstammholz werde Esche gut nachgefragt, während die Preise für Buchenholz im Keller seien. Ob der Nadelstammholz­anteil in seiner Region gehalten werden kann, gibt Ruedi Bachmann allerdings zu denken: «Entwickelt sich das Klima weiter wie bisher, wird Nadelstammholz in Zukunft seltener werden.» Das sei problematisch, weil Nadelholz nicht durch Laubholz substituiert werden könne.

«Wir werden uns anpassen müssen»

Die mittel- bis langfristige Zukunft macht auch Heinz Engler, Geschäftsführer von Wald St. Gallen & Liechtenstein, Sorgen. Zwar sei die letzte Saison sehr feucht gewesen, und der letzte grössere Sturm sei auch schon eine Weile her, aber die Klimaforschung sage in Zukunft mehr extreme Wetterereignisse voraus, die wiederum Käferkalamitäten begünstigen können. «Wir müssen wohl irgendwie damit leben und uns anpassen.»

Vor allem im Privatwald seien die klimatischen Veränderungen eine Herausforderung: «Früher waren die Böden im Winter während mehrerer Monate gefroren, dann kam das Holz. Das ist heute anders.» Wegen der wärmeren Temperaturen in der einst kalten Jahreszeit bleibt der Bodenfrost aus. Wälder und die Wiesen davor können deshalb nicht mehr mit Holzerntemaschinen befahren werden, weil diese zu grosse Schäden anrichten. «Als es im letzten Winter mal drei Wochen lang kalt war, froren die Böden zu, und dann kam auch das Holz.»

Der klimatologischen Entwicklung zum Trotz geht aber auch Heinz Engler von einer lukrativen neuen Saison aus. Seit geraumer Zeit seien die Rundholzpreise am Markt um 4 bis 8 Franken höher. Das habe auch damit zu tun, dass weniger Schadholz vorhanden sei. «Im Moment sind wir zufrieden und gehen davon aus, dass dieses Preisniveau gehalten werden kann.» Anlass zu dieser Prognose geben Heinz Engler die ebenfalls höheren Verkaufspreise ennet der Grenze in Deutschland und Österreich.

Dass die Holzindustrie aktuell intensiver nach Holz verlange, weil sie leere Lager befürchtet, nimmt Heinz Engler gelassen zur Kenntnis: «Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren in diesem Geschäft, und die Schweizer Wälder haben noch immer ausreichend Holz geliefert.» Allerdings habe er auch festgestellt, dass aktuell nicht mehr so ein Überangebot wie während der letzten zehn Jahre bestehe. «Im Moment müssen sich die Säger wohl anpassen und das Holz auch mal aktiv bei der Waldeigentümerin oder dem Waldeigentümer nachfragen.»

Die Forderung der Industrie nach neuen Erschliessungen von Beständen in voralpinen und alpinen Regionen kann Heinz Engler nachvollziehen. Er glaubt aber auch, dass «Waldbesitzerinnen und -besitzer, welche die Möglichkeit haben, einen Wald besser zu erschliessen, diese auch nutzen». Oft sei das eben auch eine Frage der nötigen Bewilligungen. Eine Erschliessung ist in der Regel nicht gratis zu haben und muss während vieler Jahre amortisiert werden können, was letztlich höhere Holzpreise beim Endkunden voraussetzt. «Auch die Säger sind dem Markt ausgesetzt, doch der wird höhere Preise mitgehen», sagt Heinz Engler. Das Label Schweizer Holz sei hierbei ein wichtiges Signal und Entscheidkriterium. «Viele sind bereit, für Schweizer Holz mehr zu bezahlen, gerade in langjährigen Kundenbeziehungen. Das ist den Kunden etwas wert.»

Im Jura wütete der Käfer

In den Jura-Wäldern zeigt sich ein anderes Bild. In der Saison 2024/25 hätten Nadelbäume erneut unter grossem Käferbefall gelitten, erklärt Didier Adatte, Geschäftsführer von ForêtJura: «Dies führte dazu, dass mehrere Frischholzschläge zurückgestellt wurden, während die Preise insgesamt stabil blieben.» Die Nachfrage nach Buchenholz blieb zu Beginn der Saison stabil, brach dann aber im Frühjahr ein, was ab Herbst zu einem leichten Preisrückgang führte. Beim Blick in die Zukunft schliesst er sich  seinen Kollegen aus der Deutschschweiz an: «Auf lange Frist werden die seit mehreren Jahren diskutierten Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Nadelholz nun Realität.»

Für diese Saison erwartet er eine extrem starke Nachfrage nach Tannen- und Fichtenholz, «so stark, dass es schwierig werden dürfte, alle Kunden zu bedienen, insbesondere wenn der Winter früh einsetzt oder das Wetter ungünstig bleibt». Der Markt für Buchenholz bleibt unsicher und wird wohl weniger ertragreich sein, zumal mit sinkenden Preisen. Ausserdem dürfte es schwierig werden, Abnehmer für Rotbuchenholz zu finden. Während Tannen- und Fichtenstämme hauptsächlich in der Schweiz verkauft werden, mit einer steigenden Tendenz, ist Buchenholz mit stabilen Anteilen sowohl für den heimischen Markt als auch für Asien bestimmt. «Die Schweizer Sägewerke interessieren sich eher für gute Qualitäten, während die asiatischen Absatzmärkte vor allem an ‹roten› und minderwertigen Qualitäten interessiert sind. Die französischen Sägewerke kaufen primär Tanne, die Schweizer Werke eher Fichte und die italienischen Käferholz.»

«Minderwertiges Holz, für das es
weder in der Schweiz noch in Europa noch einen Markt gibt, wird nach China exportiert.» Die europäischen Sägewerke suchen fast ausschliesslich nach hochwertigen Qualitäten. Asien, «das nicht nur für
Modeartikel oder Smartphones zur Fabrik der Welt geworden ist», tritt an deren Stelle: Vor 40 Jahren verwertete Italien Holz
minderer Qualität dank billiger Arbeitskräfte. Heute übernimmt China diese Rolle; gefolgt von Vietnam und wahrscheinlich bald auch Indien.

 

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