Das neue Bildungszentrum in Frauenfeld verfügt über zwei übereinander gestapelte Einzelturnhallen in Holzbauweise.Fotos: Thomas Güntert

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

In diesen beiden Sporthallen gilt Huckepack nicht nur für Turnende

Die aufeinander gestapelten Einzelturnhallen des Bildungszentrums Technik in Frauenfeld zeichnen sich durch die Verwendung von einheimischem Holz aus, und sie bestechen auch durch die Kombination aus innovativer Bauweise, Nachhaltigkeit und Funktionalität.

Thomas Güntert* | Der Kanton Thurgau fördert den nachwachsenden Rohstoff Holz als Bauholz, indem er seine Bauten zunehmend mit Holz aus dem eigenen Staatswald bauen lässt. Ein Paradebeispiel für einen auch mit den Landreserven Ressourcen schonenden Umgang ist die doppelgeschossige Turnhalle am Bildungszentrum Technik in Frauenfeld. Im November 2020 haben die Thurgauer Stimmberechtigten dem Objektkredit von 13,65 Millionen Franken für den Neubau der Sporthallen zugestimmt. Die Arbeiten für das Projekt «Doppeldecker» des Zürcher Büros kit architects begannen im Juli 2022 und dauerten bis April 2024. Trotz massiver Bauteuerung von etwa 15 % seit 2020 kostet der Neubau nur 50 000 Franken mehr, als der ursprüngliche Kostenvoranschlag von 2020 vorsah. Teuerungsbereinigt hätte dieser eigentlich um rund 1,1 Millionen Franken höher ausfallen müssen.

Zwei Sporthallen in einem Gebäude

Ivan Brühwiler, Holzbauingenieur und Brandschutzexperte des Planungsbüros B3 Kolb AG erläutert die Struktur und die besonderen Herausforderungen des Thurgauer Doppeldecker-Projekts, das zwei übereinander gestapelte Einzelturnhallen mit Nebenräumen umfasst. Im Aussenraum gehören ausserdem Allwetterplatz, Geräteraum, Velounterstand und Parkplätze dazu. Die unberührten Bauteile des Neubaus sind als massive Betonkonstruktion ausgebildet, die Bauteile über Terrain als Holzkonstruktion. «Die Architekten sind im Projektwettbewerb auf die spannende Idee aufgesprungen, eine Holz-Beton-Verbunddecke mit einer Spannweite von 16 Metern einzubauen», sagt Ivan Brühwiler. Bei diesem System, das in der Schweiz erstmals bei einer Sporthalle eingebaut wurde, werden die Eigenschaften der beiden Materialien optimal genutzt, indem das Holz auf Zug und der Beton auf Druck beansprucht wird. Ausserdem ist die Konstruktion deutlich leichter als eine reine Stahlbetonlösung.

«Die grösste Herausforderung war die Auslegung der Decke in Bezug auf das Schwingungsverhalten infolge der Anregung durch sportliche Aktivitäten von Gruppen.» Die Holz-Beton-Verbunddecke weist unter optimierten Materialeinsatz gegenüber einer reinen Stahlbetonlösung eine geringere Eigenfrequenz auf, was eine detaillierte Analyse erforderte. Neben dem geringen Eigengewicht wirkt sie auch feuchtigkeitsregulierend und bietet trotz geringerer Masse einen optimalen Schallschutz. Die Einspannung der Stützen im Bereich der geschlossenen Aussenhülle ermöglichte, im Obergeschoss auf zusätzliche Aussteifungen in der Fensterebene zu verzichten. Auch das Turnhallendach im Obergeschoss ist in gleicher Weise ausgeführt. Aufgrund der geringeren Anforderungen und einer schnelleren Abdichtung des Gebäudes kam anstelle einer Überbetonschicht eine Brettsperrholzplatte zum Einsatz.

Klare Strukturen sorgen für spezielles Bild

Der unkonventionelle und nachhaltige Holzbau mit den zwei übereinanderliegenden identischen Sporthallen passt sich bestens ins Oberwiesenquartier ein. Das unterste Geschoss verschwindet zur Hälfte im Erdreich, und die doppelstöckige Halle überragt die umliegenden Gebäude nicht. Das Erscheinungsbild ist sowohl im Innen- als auch im Aussenbereich entscheidend vom Holz geprägt, wobei das Volumen der Doppelturnhalle in drei horizontale Schichten gegliedert ist. Während im Erdgeschoss und im zweiten Obergeschoss über grosse Fensterflächen viel Licht ins Gebäudeinnere fällt, wodurch auch eine Verbindung zum Aussenraum hergestellt wird, grenzt sich das erste Obergeschoss hinter einer geschlossenen Holzschalung von der Umgebung ab.

Dieser Gegensatz wird durch die Oberflächenbehandlung zusätzlich betont. Bei der Fassade erzeugen die mit einem hellen Farbton behandelten sägerohen Fichtenbretter unterschiedlicher Breite eine lebendige Oberfläche und eine gewisse Tiefenwirkung. Die umliegenden Fensterbänder lassen die Konstruktion sichtbar werden und sorgen für eine harmonische Verbindung von Innen- und Aussenraum. Die tragenden Stützen sind aufgrund des Witterungsschutzes des Tragwerks innerhalb der Gebäudehülle angeordnet. Die vor der Verglasung stehenden Fassadenlinsen aus Fichtenholz sind nicht behandelt, sodass sich das Holz nach einiger Zeit grau verfärbt.

Holz ist heimelig

Das Eingangsgeschoss mit dem Foyer und den grossen Garderoben, Duschen und sanitären Anlagen konnte mittig zwischen die beiden Turnhalleneinheiten platziert werden, von wo aus über zwei einläufige Treppen und einen Lift beide Turnhallen erreicht werden. Das Untergeschoss ist in einem hellen Sichtbeton mit Weisszement­anteil ausgeführt, wobei die schmale Brettschalung den Rhythmus der Holzstruktur der oberen Geschosse widerspiegelt. Die Bodenbeläge im Erdgeschoss und in den Erschliessungszonen sind in Hartbeton ausgeführt, und in den Sporthallen wurde ein kombi-elastischer PU-Sportbelag verlegt.

Über dem Terrain entfaltet die sichtbare Holzkonstruktion ihre atmosphärische Wirkung. Die Holzoberflächen wurden roh belassen und lediglich mit einem transparenten UV-Schutz versehen, wodurch eine warme Atmosphäre geschaffen wurde, die die natürliche Ästhetik des Materials betont. Neben den Stützen und Trägern aus Brettschichtholz sind die vorgefertigten Holzständerwände im Erdgeschoss mit vertikalen Fichtenlatten verkleidet. Aus Brandschutzgründen wurden im Treppenhaus mit Holz furnierte Gipsfaserplatten verwendet, damit der hölzerne Ausdruck über das gesamte Gebäude möglich war. Mit der Verwendung von Holz als Baustoff setzt das Gebäude ein sichtbares Zeichen für eine ökologisch sorgsame Bauweise.

Tiefer Energieverbrauch

Auch energetisch wird das Gebäude hohen Anforderungen gerecht. Durch die wärmebrückenarme Konstruktionsart, die fortschrittliche Wärmedämmung, eine effiziente Haustechnik und eine grossflächige Photovoltaikanlage erreicht das Gebäude den Minergie-A-Standard, der einen besonders niedrigen Energieverbrauch und eine hohe Umweltfreundlichkeit bescheinigt. Die leistungsstarke Gebäudehülle in hinterlüfteter Holzrahmenbauweise minimiert die Wärmeverluste und schafft im Sommer im Zusammenspiel mit der aussen liegenden Verschattung ein behagliches Raumklima. Eine mechanische Lüftungsanlage saugt Aussenluft an und leitet sie nach der Aufbereitung in einem Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung in die Nutzzonen weiter. Die Abluft entweicht über das Dach ins Freie. Die Hallenwände sind mit einer akustisch wirksamen Holzschalung beplankt, und an den Decken absorbieren gelochte Dreischichtplatten den Schall und reduzieren den Lärmpegel. Als Energieträger wird Fernwärme der Frauenfelder Zuckerfabrik genutzt. Im Aussenraum wurde ausserdem Wert auf eine möglichst umweltfreundliche Gestaltung gelegt. Als Massnahme zur Förderung der Biodiversität bei kantonalen Bauten wurde die Bepflanzung aus heimischen Arten zusammengesetzt.

Doppeldecker aus eigenem Holz

Der bewusste Einsatz von lokalem Holz unterstreicht die ökologische Verantwortung des Gebäudes und trägt zur Förderung der lokalen Wirtschaft bei. Brühwiler bemerkte, dass die rechtzeitige Beschaffung vom Bauholz in früher Planungsphase mitberücksichtigt werden musste, da nicht nur Schweizer Holz, sondern lokales Holz aus dem Staatswald vorgesehen war. Es wurde käferbefallenes Holz verwendet, das sich bei gleicher Tragfähigkeit lediglich durch die bläuliche Verfärbung optisch von normalem Holz unterscheidet. Durch die Verwendung von 603 Kubikmeter Bauholz, von denen 565 Kubikmeter oder 93 % aus dem Thurgauer Staatswald stammen, konnten lange Transportwege vermieden und damit die Umweltbelastung reduziert werden. Zum einen wurde der CO₂-Ausstoss verringert und zum anderen Kohlenstoff im verbauten Holz gespeichert. Knapp 40 Kubikmeter wurden für die Herstellung von Holzwerkstoffen wie OSB- und Dreischichtplatten verwendet und konnten nicht als regionales Holz deklariert werden, weil diese Baustoffe in der Schweiz fast nicht hergestellt werden. Das Gebäude ist ausserdem vollständig rückbaubar. Viele Bauteile könnten dereinst wiederverwendet werden. Die Doppelsporthalle wurde von Lignum, dem Dachverband der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, mit dem Label «Schweizer Holz» ausgezeichnet. Dieses Label wird verliehen, wenn mindestens 80 % des verbauten Holzes aus der Schweiz stammen und mindestens 60 % der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen.

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