Saubere Holzasche wird derzeit meist entsorgt. Stattdessen könnte sie Düngemittel ersetzen, CO₂ speichern und noch viel mehr.Bild: pixabay.com

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Holzasche hat grosses Potenzial für den Wertstoffkreislauf

Obwohl Holzasche wertvolle Mineralstoffe enthält, wird sie überwiegend entsorgt. Da dieses Abfallprodukt aber durchaus auch als Rohstoff in der Zementproduktion oder als Dünger eingesetzt werden kann, sind verschiedene Bestrebungen im Gang.

Thomas Güntert* | Hackschnitzelanlagen produzieren Aschenmengen zwischen 1 bis 3 % der Brennstoffmenge, wobei Rindenanteil, Feuchtigkeit und Verunreinigungen den Schadstoffgehalt deutlich beeinflussen. Holzasche enthält aber auch wichtige Mineralstoffe wie beispielsweise Kalzium, Kalium, Magnesium, Phosphor oder Silicium. Die Amstutz Holzenergie AG aus Emmen (LU) entwickelt und betreibt ganzheitliche Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Holzenergie. Dazu gehört auch die Verwertungslösung für die in Holzheizungen anfallenden Holzaschen. «Wir haben den Anspruch, den Wertstoffkreislauf zu schliessen, CO₂-Emissionen einzusparen und die Deponien zu entlasten», sagt Dominik Berchtold, der im Unternehmen für das Aschenmanagement zuständig ist.

Zur Umsetzung dieser Verwertungslösungen bietet die Amstutz Holzenergie AG Aschen-Systemlösungen für die Sammlung und den Transport von Holzasche an. Mit drei 16-Tonnen-LKWs mit speziellen Aufbauten und integrierten Aschensaugern ist das Unternehmen schweizweit im Einsatz und saugt Holzasche innerhalb kurzer Zeit staubfrei aus den Aschenbehältnissen ab.

CO2 kann eingespart werden

Aufgrund der steigenden Nachfrage kommt in nächster Zeit ein weiterer Aschensauger zum Einsatz, der von der Firma selbst konstruiert und gebaut wurde. Das Luzerner Familienunternehmen hat in den vergangenen drei Jahren die Einbindung von Holzasche in den Wertstoffkreislauf entwickelt und dafür eine eigene Anlage auf dem Areal der Jura-Cement AG in Möriken-Wildegg (AG) realisiert. Dort wird die Asche gemischt, befeuchtet und von Eisenmetallen befreit. Dabei entsteht ein homogenes Material, das anschliessend direkt in die Zementproduktion übergeben wird. Da durch den Einsatz von Asche weniger Mergel und Kalkstein benötigt werden, können pro Tonne Holz­asche durch den verringerten Abbau der Sedimentgesteine rund 400 Kilogramm CO₂ eingespart werden.

Im Jahr 2025 wurden von der Amstutz Holzenergie AG über 3500 Tonnen Asche aus naturbelassenem Holz verarbeitet. Asche aus Altholz wird aufgrund ihrer Schwermetallbelastung weiterhin in der Deponie Cholwald in Ennetmoos (NW) entsorgt.

In der Schweiz gab es im Jahr 2023 inklusive Klein-Holzfeuerungen rund 511 000 Holzfeuerungsanlagen, die etwa 80 000 Tonnen Holzasche produzierten. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) unterscheidet zwischen Rostasche, die sich mit gröberen Bestandteilen im Feuerraum festsetzt, und Filterasche, die mit dem Abgasstrom in die Filter mitgerissen wird. Solche Aschen weisen oft hohe Konzentrationen von Schwermetallen auf und können in Deponien des Typs D und E abgelagert werden.

Thurgau entsorgt im Nachbarkanton

Im Kanton Thurgau müssen grössere Aschenmengen aus Holzfeuerungen mit einer Leistung von über 70 kW in einer geeigneten Deponie entsorgt werden. Allerdings gibt es im ganzen Kanton keine Deponie, die Aschen und Schlacken annimmt. Der Kanton Thurgau hat deshalb mit dem Amt für Umwelt St. Gallen eine bis Oktober 2026 befristete Vereinbarung getroffen, dass die maximale Menge von 1000 Tonnen Holzasche aus dem ganzen Thurgau in der Deponie Tüfentobel, nordwestlich der Stadt St. Gallen, entsorgt werden darf.

«Der Thurgauer Ständerat Jakob Stark hat sich in Bern dafür stark gemacht, dass es eine Anpassung der Abfallverordnung geben wird», berichtet Patrick Walser, Leiter des Thurgauer Amtes für Umwelt. Bei der Motion Stark ging es allgemein um die Deponierung von Holzaschen und im Speziellen um die Deponierung von Filteraschen aus der Verbrennung von Altholz, da diese Filterasche gemäss der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen eigentlich seit dem 1. Januar 2026 in eine Aufbereitung gegeben werden müsste. Mit einer dringlichen Verordnungsanpassung wird diese Frist bis 2033 verschoben. Obwohl drei Viertel der anfallenden Asche stofflich verwertet werden könnten, werden in der Zementindustrie lediglich 5 % weiterverwendet und der Rest auf Deponien entsorgt. Dort jedoch wird der Platz zunehmend knapper und teurer.

Düngematerial für den Privatgarten

Die Entsorgung von kleineren Mengen Asche aus naturbelassenem Holz von Cheminées und Einzelraumfeuerungen ist über den Kehricht zulässig. Altholzaschen, die durch die Verbrennung von Rückbauten entstehen, die Farben, Imprägnierungen und andere Chemikalien enthalten können und in der Regel hohe Konzentrationen von Cadmium, Zink und Blei aufweisen, müssen ebenfalls in Deponien Typ D und E abgelagert werden.

Begehrter und vielseitiger Rohstoff

Asche aus naturbelassenem Holz war jahrtausendelang kein lästiger Abfall, sondern ein begehrtes natürliches Waschmittel. Bis 2005 wurde Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen als Dünger auf Feldern verteilt. Dann wurde dies wegen des Klärschlammskandals verboten. Das Vorsorgeprinzip wurde allerdings undifferenziert angewandt und führte zur Verteufelung der Holzasche, die seit 2008 nicht mehr auf der Schweizer Betriebsmittelliste steht. Damals wurde davor gewarnt, Holzasche wegen erhöhter Schwermetallgehalte landwirtschaftlich zu nutzen, weil es auch zur Belastung des Grundwassers führen könnte. Das Ausbringen von Asche im Wald oder in Gewässernähe ist in der ganzen Schweiz untersagt. Die rechtlichen Rahmen, beispielsweise von Abfallverordnungen, Düngemittelrecht oder der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, behandeln Holzasche überwiegend als Abfall statt als Ressource. Laurent Audergon, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, ist der Meinung, dass zur Kreislaufwirtschaft auch die Nutzung der aus der Holzenergie anfallenden Asche von naturbelassenem Holz gehört. Das Potenzial sei zu hoch, um sie einfach zu entsorgen. «Die Verwertung ist technisch und ökologisch möglich, aber regulatorisch und psychologisch gehemmt», sagt Laurent Audergon. Er merkt an, dass Privatpersonen gute Erfahrungen damit machen, Asche aus naturbelassenem Holz dem Kompost beizumischen. In der Schweiz ist Holzasche als Zusatzstoff bei der Kompostierung nur Privatpersonen erlaubt. In Deutschland und Österreich hingegen gibt es ein Öko-Label für Holzasche als Zusatzstoff für die Kompostierung. Diese Asche wird dann in die Schweiz importiert. In Deutschland und Finnland werden zudem Waldwege aus Lehm gebaut, bei denen Holzasche als Ersatz für Branntkalk verwendet wird. Holzasche hat auch ein Rekarbonatisierungspotenzial für saure Böden und könnte in Zukunft eine massgebende Rolle als natürliche Negativ-Emissionstechnologie spielen. Asche aus naturbelassenem Holz besteht im Durchschnitt zu 26 % aus Kaliumoxid und darf gemäss Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, in naher Zukunft in der Landwirtschaft als Ersatz von importiertem Kaliumdünger stofflich verwertet werden. Auch der Schweizer Bauernverband unterstützt das konsequente Schliessen von Stoffkreisläufen. Von 2023 bis 2025 haben Agroscope Nyon und die Fachhochschule Yverdon eine umfangreiche Studie zur Verwertung von Asche aus naturbelassenem Holz gemacht. Die Schlussfolgerung ergab, dass die Wiederverwertung zur Herstellung von Kaliumdünger aus ökologischer Sicht akzeptabel ist, insbesondere wenn Holzaschen aus verschiedenen Quellen gemischt werden.

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