Walter W. Andermatt kann die Aussicht vom Schlaufensteg im zugerischen Baar künftig ohne Vorstandsbürde geniessen.Foto: Ralph Möll

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«Jetzt sollen Jüngere die Zügel übernehmen»

WaldSchweiz-Vizepräsident Walter W. Andermatt tritt an der kommenden Delegiertenversammlung nicht mehr zur Wiederwahl an. Eigentlich hätte er diesen Schritt schon vor acht Jahren tätigen wollen.

Interview: Ralph Möll | Walter Andermatt, Sie sind seit 2008 Mitglied des Zentralvorstands von WaldSchweiz. An der Delegiertenversammlung vom 27. Juni treten Sie nun nicht mehr zur Wiederwahl an. Warum?

Eigentlich bin ich ja schon in der zweiten Verlängerung meiner Zeit im Zentralvorstand. Ursprünglich wollte ich nämlich bereits vor acht Jahren zurücktreten.

Was hat Sie daran gehindert?

2017 wurde Daniel Fässler neuer Präsident von WaldSchweiz. Um ihn in dieser Funktion gemeinsam mit meinem Vizepräsi­diums-Kollegen Jean Wenger zu unterstützen, beschloss ich, noch nicht zurückzutreten. Und vor gut zwei Jahren musste sich der Verband auf die Suche nach einem neuen Direktor machen. Diesen fanden wir in der Person Christoph Niederbergers, der bald ein Jahr im Amt ist. Deshalb ist nun ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Jetzt sollen Jüngere die Zügel übernehmen.

Sie haben sich pensionieren lassen und auch die Präsidien von WaldZug und der Korporation Baar-Dorf abgegeben. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen langweilig wird?

Nein, überhaupt nicht. Es war eine spannende Zeit mit vielen Kontakten, die ich sehr schätzte. Nun freue ich mich aber darauf, künftig mehr für meine Familie da sein zu können, die in der Vergangenheit das eine oder andere Mal zu kurz gekommen ist. Jetzt kommen meine Frau und meine acht Grosskinder zum Zug.

Gehen wir vom Schluss zum Anfang: Warum wollten Sie 2008 in den Zentralvorstand?

Der Verband, der damals noch Waldwirtschaft Schweiz hiess, war zu jener Zeit viel weiter weg von der Basis, also den kantonalen Verbänden, als heute. Es herrschte vor allem punkto Finanzen wenig Transparenz. Die Kantone empfanden das Gebaren des Dachverbandes als «von oben herab» und waren grundsätzlich unzufrieden mit ihm. Das führte so weit, dass sowohl der Kanton Bern als auch der Kanton Graubünden aus dem Verband austraten. Gemeinsam mit Aargau und Zürich überlegten auch wir uns, aus dem Dachverband auszutreten. Zusammen mit den Innerschweizer Kantonalverbänden zitierten wir sogar den damaligen Präsidenten Max Binder und den Geschäftsführer Urs Amstutz hierher, um mit ihnen Klartext zu reden. Mit Erfolg, denn der Verband erkannte die Zeichen der Zeit und leitete Reformmassnahmen ein. Max Binder nahm uns hernach aber in die Pflicht und fand – nicht zu unrecht–, dass wer meutere, auch Verantwortung übernehmen müsse. Und so stellte ich mich gemeinsam mit Kaspar Reutimann aus dem Kanton Zürich zur Wahl.

Wie wurden Sie im Gremium aufgenommen?

Zu Beginn war es etwas holprig. Mir eilte halt der Ruf als Stänkerer voraus. Aber wir führten immer konstruktive Gespräche, und so gelangten wir zu guten Resultaten.

Welche Herausforderungen mussten am dringlichsten gelöst werden?

Für mich war es ein steiler Einstieg. Gleich im ersten Monat fanden vier Sitzungen mit einer Arbeitsgruppe statt, um eine Reform des Verbandes einzuleiten. Zuerst mussten wir allerdings die Situation beruhigen und den Verband grundsätzlich wieder in ruhigere Gewässer führen. Aber im Prinzip mussten wir eigentlich alles neu organisieren. Zentral war dabei sicher das Erstellen eines Sollbudgets, um Transparenz gegenüber den Kantonalverbänden zu schaffen.

Wo steht WaldSchweiz aus Ihrer Sicht heute?

Unser Ziel war, den Waldeigentümerinnen und -eigentümern in der Schweiz wieder mehr politisches Gewicht zu verleihen. Aus­serdem musste die Verbindung zur Basis wieder etabliert werden. Das haben wir geschafft. Heute klappt die Zusammenarbeit von Dachverband und Kantonen sehr gut.

Waldwirtschaft und Forstbranche von vor zwanzig Jahren lassen sich nicht mit heute vergleichen. Was hat sich während Ihrer Zeit im Zentralvorstand verändert?

Der Wald als solcher hat sich während dieser knapp zwei Jahrzehnte natürlich nicht so stark verändert. Aber das Verhältnis zum Wald und die Strategien der Waldeigentümerinnen und -eigentümer sind nicht mehr gleich. Damals spielte die wirtschaftliche Komponente eine viel grössere Rolle. Heute sind andere Waldleistungen wie Erholung, Sport oder Spiritualität genauso wichtig. Auch die Klimafrage ist viel wichtiger geworden. Sie wird uns noch lange begleiten, ebenso Themen wie natürliche Waldverjüngung, zukunftsfähige Arten, Waldböden oder Wilddruck.

Stichwort Wilddruck: In dieser Frage müssen Waldeigentümerinnen und -eigentümer mit den Jägerinnen und Jägern zusammenarbeiten. Wie klappt das?

Damit sich der Wald natürlich verjüngen kann, sollten die erlaubten Wildabschussquoten möglichst ausgeschöpft werden. Jägerinnen und Jäger wollen ihre Bestände jedoch nicht zu stark dezimieren, weshalb sie auch mal das eine oder andere Tier laufen lassen. Teilweise sind unsere Interessen zwar nicht deckungsgleich, aber unser Präsident schafft es als Ständerat in Bern immer wieder, wichtige Allianzen zu schmieden – auch mit den Vertretern der Jagd.

Worauf sind Sie im Rückblick auf ihre Zeit im Zentralvorstand besonders stolz?

Ganz klar, dass wir Verband und Basis einander wieder nähergebracht haben. Wir, also die Mitglieder des Zentralvorstands und der Geschäftsleitung, sind bei Anlässen der Verbände präsent, wir bringen die Menschen aus der Branche an NetzwerkWald-Anlässen wie jenem vom 17. Juni in Martigny zusammen, und wir pflegen regelmässigen Austausch mit den Geschäftsführerinnen und -führern der kantonalen Verbände wie zuletzt an einer Konferenz Anfang Mai.

Welche Bedeutung kommt dabei dem 2016 erfolgten Rebranding des Verbands zu?

Eine sehr grosse. Alle Kantonalverbände haben die neue Marke und das neue Logo adaptiert. So treten wir als Branche einheitlich nach aussen auf. Das war zuvor nicht so und ist ein wichtiges Wiedererkennungsmerkmal. Ich war Mitglied der entsprechenden Kommission, und mir war wichtig, dass wir unsere Marke, unsere Strategie und unseren Auftritt von Grund auf überdenken. Ich glaube, das ist uns recht gut gelungen.

Auf den Wald wird von vielen Seiten Druck ausgeübt: klimatologisch, gesellschaftlich und mit dem Entlastungspaket 27 einmal mehr auch finanziell. Was bedeuten die angedachten Sparmassnahmen für den Wald?

Diese Forderungen nach linearen Kürzungen kommen ja regelmässig. Und doch bin ich überrascht, weil Waldanliegen politisch und gesellschaftlich von links bis rechts eigentlich begrüsst werden. Der Erholungsdruck zum Beispiel nahm nach der Pandemie massiv zu, und es halten sich viel mehr Menschen im Wald auf als davor. Daher braucht es auch Personal im Wald. Werden die Sparmassnahmen umgesetzt, fehlen jedoch Mittel, um dieses Personal auszubilden. Dagegen müssen wir uns als Dachverband zur Wehr setzen. Wichtig ist dabei, nicht gleich umzufallen, wenn sich etwas Widerstand abzeichnet, sondern dranzubleiben und für den Wald zu kämpfen.

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