Die neue Auflage der «Holzernte» beschreibt auch den Einsatz des funkferngesteuerten Fällkeils (FFK).Bilder: WaldSchweiz

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Ein Update für das Holzernte-Standardwerk

«Die Holzernte», das Standardwerk für die Holzerei, erscheint in 14. Auflage in einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung. Viele Inhalte und Themen wurden um neuste Erkenntnisse erweitert

Alina Müller* | Wer in der Holzerei tätig ist, kennt ihn: den Ordner «Die Holzernte», der sowohl in der Ausbildung von Fachpersonal als auch in der Schulung von Privatpersonen, Dritten und Privatwaldbesitzenden eingesetzt wird. Das elementare Nachschlagwerk ist technisch, fachlich und optisch überarbeitet worden.

«Die Holzernte» ist ein schweizweit gültiges Lehrmittel, dennoch bestehen bezüglich Bedeutung von Themen, Methoden und Werkzeugen je nach Region und Gegebenheiten bisweilen deutliche Unterschiede. Die im Qualifikationsverfahren abgefragten Inhalte variieren ebenfalls von Kanton zu Kanton und von Sprachregion zu Sprachregion. So kann es durchaus sein, dass ein für die einen längst überholter Inhalt für andere nach wie vor wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit ist. Bei der Überarbeitung des Manuskripts lag der Fokus daher eher auf Aktualisierung und Erweiterung des Fachwissens statt auf einer Reduktion. Einige zusätzliche Seiten, die man nicht braucht, stören sicher weniger als eine fehlende Dokumentation über einen situativen Anwendungsfall. Nachfolgend werden einige der wichtigsten Neuerungen hervorgehoben und kurz erklärt.

Entscheidungshilfe Gefahrenstufen

Während der letzten Jahre hat der Schadholzanteil in Schweizer Wäldern stark zugenommen. Um dem erhöhten Risiko und vermehrter Planungskomplikation im Zusammenhang mit Schadholz entgegenzuwirken, wurde eine neue Grafik in den Holzernteordner aufgenommen. Diese Entscheidungshilfe Gefahrenstufen soll bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes von Bäumen oder ganzen Beständen helfen und Aufschluss über mögliche Vorgehensweisen und Hilfsmittel geben.

FFK

Er ist der Branche bereits seit einigen Jahren bekannt: Die Rede ist vom funkferngesteuerten Fällkeil, kurz auch FFK genannt. In der neuen «Holzernte» werden sowohl Einsatz als auch Unterhalt sowie die technischen Angaben zu den verschiedenen akkubetriebenen Geräten thematisiert.

Schwachholzmethode mit Keil

Welcher Praktiker kennt es nicht: Man möchte einen Baum mit geringem Durchmesser mittels Schwachholzmethode fällen, der Keil steht jedoch auf halbem Weg am Führungsband an. Um dies zu umgehen, wenden Profis schon seit längerer Zeit eine angepasste Variante der Schwachholzmethode an, welche nun ebenfalls in der «Holzernte» aufgeführt ist.

Bandausformung «Breite Fallkerbe»

Die «Breite Fallkerbe» ist eine Fällmethode, die ein gutes Verständnis von Holzeigenschaften, Faserverläufen und Gewichtsverteilung erfordert. Fehlt dieses Verständnis, können beim Festlegen der Führungsbanddimensionen Unsicherheiten auftreten. Um das Führungsband bei der «Breiten Fallkerbe» besser zu beleuchten, wurde diesem Thema neu eine zusätzliche Seite gewidmet.

Calmbacher Tabelle

Ursprünglich von den Berufskollegen in Baden-Württemberg (GER) erarbeitet und in Deutschland bereits seit vielen Jahren in der Ausbildung eingesetzt, ist die Calmbacher Tabelle mittlerweile auch in der schweizerischen Holz­hauerei angekommen. Sie dient Lernenden und ungeübten Personen beim Abschätzen der Kraft und der Anschlaghöhe, welche nötig sind, um einen Baum über- oder umzuziehen.

Einsatz PSAgA

Die bestehende Seite über das Besteigen von Bäumen wurde anhand des zugehörigen Suva-Factsheets ergänzt und zusätzlich um eine weitere Seite Seilsicherung im steilen Gelände erweitert. Diese neuen Inhalte ersetzen nicht die entsprechenden Kurse und Unterlagen zur Persönlichen Schutz­ausrüstung gegen Absturz (PSAgA). Sie sollen aber helfen, den PSAgA-Einsatz in der Holzhauerei besser zu definieren und die wichtigsten Punkte aufzuzeigen.

Neuer Mechanisierungsgrad

In die überarbeitete «Holzernte» wurde ein neuer, vierter Mechanisierungsgrad aufgenommen: «hochmechanisiert». Er steht zwischen «teilmechanisiert» und «vollmechanisiert» und bezeichnet ein Verfahren, bei welchem nur die Fällung mit der Motorsäge erfolgt, während sämtliche anderen Teilarbeiten maschinell ausgeführt werden. Die Aufnahme dieses neuen Mechanisierungsgrades erfolgte in Absprache mit Codoc und im Hinblick auf deren Handbuch «Holzernteverfahren», welches noch erscheinen wird.

Starterseilwechsel

Bisher war der Wechsel eines gerissenen Starterseils lediglich in einigen Betriebsanleitungen festgehalten. Manche Anbieter verwiesen bei einer derartigen Störung sogar direkt an den Fachhändler. Da die Behebung einer solchen Störung jedoch von einer gelernten Fachperson erwartet werden darf, wurde der Wechsel eines Starterseils bei zwei Modellen der marktführenden Hersteller unter Berücksichtigung der Betriebsanleitung in der «Holzernte» festgehalten.

Seilendverbindungen

Auf der neuen Seite über Seilendverbindungen wird genauer beleuchtet, welche Möglichkeiten es gibt, solche Verbindungen herzustellen, und wie sich die verschiedenen Varianten auf die Belastbarkeit der Seile auswirken.

QR-Codes

Im gesamten Lehrmittel wurden stellenweise QR-Codes ergänzt, die themenbezogen zu relevanten Dokumenten weiterer Organisationen führen. Dazu gehören zum Beispiel die Suva und Codoc.

Checkkarten

Auch die «Taschenversion» der «Holzernte», die Checkkarten, wurde evaluiert, aktualisiert und mit neuen Inhalten ergänzt, die bei der Arbeit im Wald eine weitere Hilfestellung bieten.

Mehrwert für die Branche

Neben diesen Anpassungen und Ergänzungen wurden im Holzernteordner auch zahlreiche weitere, kleinere Änderungen vorgenommen, die hier aus Platzgründen nicht alle aufgeführt werden können. Mit dieser aktualisierten Ausgabe von «Die Holzernte» stellt WaldSchweiz der Branche dieses zentrale Werk wiederum mit einem echten Mehrwert zur Verfügung. An der Überarbeitung waren Lehrkräfte, Fachleute, Vertreterinnen und Vertreter von Herstellern sowie viele weitere Akteurinnen und Akteure beteiligt, die mit grossem Engagement zum vorliegenden Resultat beigetragen haben. Von der Branche für die Branche

 

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