Martin Winkler baute aus Esche ein Einfamilienhaus und ist mehr als zufrieden damit. In verschiedener Hinsicht.Fotos: Martin Winkler

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Ein erfolgreicher Hausbau mit Laubholz ist möglich

Martin Winkler, ehemaliger Kantonsoberförster von Zug, wollte beweisen, dass sich auch Laubholz für den Holzbau eignet. Er ergänzte ein 200-jähriges Trottengebäude mit einem einstöckigen Massivholzbau aus Esche. Ein Erfahrungsbericht.

Martin Winkler* | Ich wollte den Beweis erbringen, dass sich massives Laubholz für den Bau eines Holzhauses ausgezeichnet eignet. Der konventionelle Holzbau ist nach wie vor sehr einseitig auf die Verwendung von Nadelholz ausgerichtet. Es wird behauptet, dass sich Laubholz für den Holzbau nicht oder nur schlecht eignen würde. Das stimmt nicht. Das zukünftig bei der Waldpflege in grossen Anteilen anfallende Laubholz muss hochwertiger verwendet werden als bisher.

Zudem soll die beim Bau aufzuwendende graue Energie gering und eine sinnvolle Form der Weiterverwendung des Bauholzes möglich sein. Dies im Sinne der Kaskadennutzung. Meine vorzeitige Pensionierung, mein grosses Interesse an manueller Arbeit – vor allem bei der Holzverarbeitung – und das Vorhandensein eines geeigneten Objektes waren günstige Voraussetzungen für die weitgehend selbstständige Projekt­realisierung.

Kurz zusammengefasst erstellten wir aus Eschenlamellen in Brettstapelbauweise einen einstöckigen Massivholzbau mit Flachdach. Dieser ergänzt ein 200 Jahre altes, denkmalgeschütztes Trottengebäude zu einem 3,5-Zimmer-Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 105 Quadratmetern. Dafür rüstete der Forstbetrieb Landforst GmbH im nahen Wald der Gemeinde Oberrieden (ZH), der vorwiegend Buchenwaldgesellschaften angehört, aus Eschentrieb­sterben-Zwangsnutzungen 40 Kubikmeter Rundholz der Qualität B. Die 42 Trämel waren zwischen drei und sieben Meter lang. Mit einer mobilen Blockbandsäge wurden die Eschenträmel im Wald direkt neben dem Trämelpolter in etwa 2300 Lamellen und in rund 300 Stäbe mit jeweils identischem Querschnitt eingeschnitten. Die Lamellen sind 16 cm breit und 3,5 cm dick, die Stäbe 7 cm breit und 5 cm dick. Das Schnittholz wurde während zweier Jahre nahe der Baustelle gelagert und luftgetrocknet.

Der Trottenanbau wurde unterkellert. Es entstand eine Betonwanne, bestehend aus Bodenplatte und Seitenwänden. Auf dieser Betonwanne baute ich schliesslich die Eschen-Massivholzkonstruktion auf. Diese besteht aus den drei Elementen Kellerdecke, den Erdgeschoss-Seitenwänden und der Erdgeschossdecke (siehe Bild 1, Seite xx).

Sämtliche Elemente wurden als Eschen-Brettstapel ausgebildet, indem die Eschenlamellen mit Schrauben aneinander fixiert wurden (Bild 2). Die in Abständen von 80 cm paarweise angebrachten Schrauben sind 90 mm lang, sodass pro Schraube jeweils drei Lamellen miteinander verbunden wurden. In den beiden horizontalen Deckenelementen sind die Eschenlamellen liegend, in den Seitenwänden stehend angebracht (Bild 1). Für den Massivholzbau verarbeitete ich rund 2100 Eschenlamellen, die mit etwa 17 000 mit dem Akkuschrauber eingedrehten Schrauben fixiert wurden.

Der aus Eschenlamellen bestehenden «Holzkiste» setzte ich ein extensiv begrüntes Flachdach auf. Dieses überragt die Fassade aus Gründen des konstruktiven Holzschutzes um 50 cm. Um die gemäss Energienachweis geforderten Dämmwerte zu erreichen, wurden die aus Lamellen gebildeten, 16 cm dicken Massivwände, mit einer 16 cm dicken Schafwollmatte ergänzt (Bild 3). Schliesslich brachte ich auf der mit einem Windpapier abgedeckten Schafwolldämmung die Fassade auf. Sie besteht aus den ausgehobelten Eschenstäben, welche ebenfalls mit der mobilen Säge hergestellt wurden (Bild 4).

Der Massivholzanbau lässt sich befriedigend nutzen, er verursachte wenig graue Energie und ermöglicht ein ideales Material­recycling. Nachdem der im Frühling 2024 fertiggestellte Holzbau bezogen wurde, kann nach einjähriger Wohnnutzung befriedigt festgestellt werden, dass sich das Bauen mit Eschenholz einerseits aus bautechnischer und anderseits aus wohnhygienischer Sicht bewährt hat. So wurden bisher keine Baumängel festgestellt, und das Raumklima im Holzbau ist angenehm. Die Luftfeuchtigkeit ist ausgeglichen und die gute Dämmung durch Holz und Schafwolle schützt im Sommer vor übermässiger Wärmeeinstrahlung und im Winter vor grosser Kälte.

Auf Leim kann verzichtet werden

Wie neue Studien belegen, wird beim Bauen mit Holz viel weniger graue Energie benötigt als bei der Verwendung von Beton oder Stahl. Wenn die Gewinnung von Rundholz, dessen Verarbeitung zu Bauholz und sein Verbau in Gebäuden wie im vorliegenden Fall sehr kleinräumig und regional möglich sind, reduzieren sich die bereits geringeren CO₂-Emissionen des Holzbaus zusätzlich.

Die für den Massivbau verwendeten Eschenlamellen wurden unbehandelt verbaut. Zudem habe ich sie ausschliesslich auf mechanische Weise – durch Schrauben –, und nicht durch chemische Stoffe wie etwa Leim miteinander verbunden. So liessen sich die Holzlamellen bei einem allfälligen Rückbau wieder mit geringem Aufwand in unbehandeltes Holz rückführen, was ein hochwertiges Recycling zuliesse.

Wie im Kleinen so im Grossen

Mit der Verarbeitung von ausschliesslich Laubholz liess sich ein überzeugender, kleiner Massivholzbau realisieren (siehe Titelbild). Diese durchwegs positive Erfahrung führt mich zur Überzeugung, dass sich massives Laubholz auch beim Bau von hölzernen Grossbauten erfolgreich einsetzen liesse. Wenn sich Planer, Holzverarbeitende sowie Holzbauer von bekannten und vertrauten Abläufen und Praktiken im Umgang mit Nadelholz lösen und sich intensiv mit den laubholzspezifischen Eigenschaften und Verarbeitungstechniken auseinandersetzen würden, erführe die Laubholzverwendung sicherlich einen Quantensprung. Laubholz würde so vom fast ausschliesslichen Energie- und Industrieholzsortiment zum angestrebten ernst zu nehmenden Bauholzsortiment mutieren.

 

Martin Winkler freut sich über fachlichen Austausch mit Lesenden. Er ist erreichbar unter winkler5@bluewin.ch.

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