Heute noch ein Trampelpfad, werden hier in absehbarer Lastwagen rund um den Brandchnubel fahren.Fotos: HIS

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Mit dem Lastwagen Holz direkt aus dem Gebirgswald abholen

In Schüpfheim im Entlebuch (LU) diskutierten Anfang Mai rund 120 Personen aus Wald, Wissenschaft und Holzverarbeitung über forstliche Erschliessung. Diese soll ausgebaut werden, damit eine zusätzliche Million Festmeter aus den Schweizer Wäldern gewonnen werden.

Ralph Möll | «Geht ins Holz!» Solcherart appellierte Holzindustrie Schweiz (HIS), der Dachverband Schweizer Sägewerke und verwandter Holzindustriebetriebe, im Februar medial an die Waldbesitzerinnen und -besitzer. Aufgrund ihrer zur Neige gehenden Holzvorräte befürchteten die Sägereien, dass die Zähne ihrer Sägeblätter in diesem Sommer ins Leere oder nur noch in Holz von ausländischer Provenienz greifen würden. In der Tat dürften Waldeigentümerinnen und -eigentümer in der letzten Saison auf den einen oder anderen Holzschlag verzichtet haben. Einerseits liessen die äusseren Bedingungen aufgrund der vielen Niederschläge und ausgebliebener Frost-Temperaturen kaum Schläge zu. Andererseits bewegen sich die Erlöse für Holz nach wie vor auf einem Niveau, welches zusätzliche Aufwände, wie sie beispielsweise tiefe Böden erfordern, kaum rechtfertigt.

Dabei gäbe es in den Schweizer Wäldern doch noch so viel ungenutztes Holzpotenzial: in den Voralpen und den Alpen. Nicht weniger als eine Million Festmeter zusätzliches Holz glaubt HIS, dort herausholen zu können. Unterstützt wird diese Annahme von wissenschaftlicher Seite. So zeigte Janine Schweier von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) den Anwesenden auf, wie die infrage kommenden Holzvorräte detektiert und punktgenau pro Standort ausgewiesen werden können. Die Leiterin der Forschungsgruppe Nachhaltige Forstwirtschaft der WSL betonte dabei: «Das so eruierte Potenzial basiert ausschliesslich auf der Annahme der heute bestehenden Erschliessung.» Würde also an der Stellschraube der Erschliessung gedreht, könnte in der Zukunft noch mehr Potenzial freigesetzt werden.

Leo Bont, Technischer Mitarbeiter an der WSL, informierte über die Voraussetzungen, welche für forstliche Erschliessung erfüllt sein müssen, bevor Martin Ammann, Betriebsleiter der «Nüesch & Ammann Forst­unternehmung AG» aus Eschenbach (SG), übernahm. Der Forstingenieur demonstrierte, auf welche Situationen er bei der Arbeit in höheren Lagen trifft und welche Voraussetzungen nötig sind, um die Holz­ernte lukrativ gestalten zu können.

Vorzeigeprojekt am Brandchnubel

Die Tagung zur forstlichen Erschliessung fand nicht ohne Grund im Entlebuch statt. Zwischen Schüpfheim und seiner südlich gelegenen Nachbargemeinde Flühli erhebt sich der Brandchnubel, und auf respektive rings um diesen entsteht eine Strasse. Auf dieser sollen dereinst Lastwagen zum Holzschlag fahren und geerntetes Holz abtransportieren. 65 Hektar Wald sollen so erschlossen werden. Die rund 2,3 Kilometer lange Strasse, die erst zu einer Alpwirtschaft und anschliessend einen guten Kilometer rund um den Brandchnubel führen wird, gibt es allerdings nicht gratis: Gut 1,6 Millionen Franken werden dafür fällig. Bund, Kanton, Gemeinde sowie die Wald- und Strasseneigentümer kommen dafür auf.

Nur durch den Holzerlös wird diese Strasse so schnell nicht ammortisiert. Michiel Fehr, Leiter Waldregion Luzern beim Forstdienst des Kantons Luzern, betonte beim Augenschein vor Ort, dass diese Erschliessungsstrasse nicht nur dem Holzabtransport, sondern vielen weiteren Bereichen diene: «Die Stras­se erleichtert nicht nur die Pflege des Schutzwaldes, sie erlaubt uns auch, unseren Auftrag noch besser zu erfüllen: nämlich die Ökosystemleistungen des Waldes, als Holzlieferant, als Erholungs- und Lebensraum oder auch als Wasserspeicher sicherzustellen.»

Partnerschaften und Finanzen

Zurück im Tagungslokal in Schüpfheim diskutierten Paolo Camin, Vizedirektor WaldSchweiz, Michael Gautschi, Direktor HIS, Ruedi Gerber, Präsident WaldLuzern, Fabian Haas, Geschäftsleiter WWF Uri, Markus Zihlmann, Präsident der Stras­sengenossenschaft Stäldeli, sowie Martin Ammann über Möglichkeiten und Voraussetzungen im Bereich der forstlichen Erschliessung.

Von Moderator Michiel Fehr auf das Interesse nach Erschliessungen bei den Waldeigentümerinnen und -eigentümern angesprochen, relativierte Paolo Camin, dass diese nicht für alle dieselbe Bedeutung haben: «Wer einen Wald mit dem Ziel Holzproduktion betreibt, der steht solchen Erschliessungen eher positiv gegenüber. Aber für eine so kostspielige und langfristige Investition muss sichergestellt sein, dass das produzierte Holz dauerhaft zu attraktiven Preisen verkauft werden kann. Insofern geht es in erster Linie um verlässliche Partnerschaften, denn nur mit einer Erschliessung ist es nicht getan. Es braucht auch Investitionen in entsprechende Maschinen.»

Michael Gautschi räumte ein, dass sich die Holzindustrie ihrer Pflicht, einen Beitrag an die Finanzierung der Waldwirtschaft und solcher Infrastrukturprojekte zu leisten, bewusst sei. Den Schwarzen Peter «Holzpreis» reichte er jedoch an den Markt weiter: «Jeder Säger ist froh, wenn der Holzpreis, den er für seine Produkte lösen kann, hoch ist.» Dabei helfe der Swissness-Faktor zwar ein wenig, aber im Holzgeschäft werde «im Moment niemand wirklich reich».

Forstliche Erschliessung, womit ausdrücklich nicht nur Strassen gemeint sind, könnte hier in der Tat ein Teil der Lösung sein. Weil in Schüpfheim Forstleute aus der ganzen Schweiz anwesend waren, wollte Michiel Fehr diesen ein wenig den Puls fühlen und fragte: «Wie ist der Bedarf nach Erschliessungen in eurem Kanton?» Die Antworten fielen erwartet uneinheitlich aus. Von Gratulationen zum Erschliessungsprojekt am Brandchnubel über den Wunsch nach punktuellem Ausbau der bestehenden Infrastruktur bis zur Feststellung, dass die Erschliessung grundsätzlich als abgeschlossen betrachtet wird, war alles dabei. Das Thema dürfte die Branche also noch eine Weile beschäftigen.

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