Mit zwei solchen Bannern (hier am Stanserhorn) machte die Aktionsgruppe «Nidwaldner Holz» erstmals auf sich aufmerksam.Bild: Toni Niederberger

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Ein Verein will das Bewusstsein für Holz aus Nidwalden stärken

Im November 2025 hat sich der Verein «Nidwaldner Holz» gegründet. Er will der Bevölkerung den Wert von einheimischem Bauholz wieder näherbringen und sie mit verschiedenen Aktionen und Anlässen für den Wald sensibilisieren.

Ralph Möll | An einem Samstagmorgen Anfang September des letzten Jahres rieben sich Nidwaldnerinnen und Nidwaldner verwundert ihre Augen. Über Nacht waren am Stanserhorn und in Schwanden ob Büren zwei gelbe, 400 Quad­ratmeter grosse Banner mit grünem Logo aufgetaucht. Die Spekulationen, welche die Menschen über die Bedeutung der weithin sichtbaren Blachen anstellten, reichten von militärischen Markierungen über eine Kunstinstallation bis zu einem Protest gegen die Jagd.

Alles falsch, wie sich am Dienstag da­rauf zeigte, als die Aktionsgruppe «Nidwaldner Holz», die hinter der Aktion steckte, in der «Nidwaldner Zeitung» das Geheimnis lüftete. «Wir wollten der Bevölkerung wieder bewusst machen, wie wichtig es ist, einheimisches Bauholz zu verwenden», sagt Toni Niederberger, Nidwaldner Landrat, gelernter Zimmermann und heute Mitinhaber und Geschäftsstellenleiter der Filiale eines Planungsunternehmens in Buochs (NW). Das Logo zeigt übrigens ein N für Nidwalden mit stilisierten Jahrringen eines Baumstamms.

Die Guerilla-Aktion darf durchaus als erfolgreich bezeichnet werden, ist doch unterdessen aus der Aktionsgruppe der Verein «Nidwaldner Holz» mit rund 130 Mitgliedern geworden. Dessen Ziele sind die gleichen wie jene der Aktionsgruppe, nun aber in Statuten festgehalten: die Förderung der Wertschätzung des Nidwaldner Waldes, die Vermarktung von Nidwaldner Holz und dessen Nutzung insbesondere im Kanton.

Ruedi Arnold, Inhaber und Geschäftsführer der A&L Holzbau in Dallenwil (NW) und treibende Kraft hinter den Bestrebungen des Vereins, will bei den Menschen in Nidwalden wieder Emotionen für ihren Wald und ihr Holz wecken: «Der Wald ist präsent. Er ist gleich da draussen, direkt nebenan, aber wir nehmen ihn nicht mehr wahr. Dabei hat unser Kanton den Wald sogar im Namen.» Selbstredend engagiert sich der Unternehmer gemeinsam mit Präsident Toni Niederberger, Christof Risi, Matiu Berther sowie Richi Barmettler im Vorstand des Vereins.

Mondholzernte mit Publikum

Mit gezielten Aktionen wie beispielsweise der Demonstration einer Mondholzernte will der Verein der Bevölkerung das einheimische Holz wieder näherbringen. Ruedi Arnold betont, dass man sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz, der Dachorganisation der Zentralschweizer Wald- und Holzbranche, verstehe. «Unser Vorteil ist die Nähe zur lokalen Bevölkerung, die wir direkt ansprechen und bei der wir schnell etwas bewirken können.»

Die Menschen für den Wald zu begeistern, sei wichtig, sagt Toni Niederberger: «Aber wir müssen auch die Akteure der Holzwertschöpfungskette mit an Bord holen.» Darauf legt «Nidwaldner Holz» im ersten Vereinsjahr denn auch seinen Fokus. Der Verein will mit allen knapp 40 holzverarbeitenden Betrieben und Unternehmen im Kanton das persönliche Gespräch suchen. «Das ist ein grosser Aufwand», bestätigt Ruedi Arnold. «Aber wenn schon nur ein Schreiner oder ein Holzbauer sein Holz künftig hier kauft, haben wir bereits sehr viel erreicht, denn warum muss das Parkett aus China oder aus Osteuropa kommen, wenn das Holz dafür vor unserer Türe wächst?» Er verfüge über einen Vorrat von gut 4000 Kubikmetern Nidwaldner Holz, von dem er sehr gerne an Interessierte verkaufe. «Das Argument, dass gar nicht genügend Holz verfügbar sei, zählt also nicht.»

Von zu hohen und zu tiefen Kosten

Auch den oft bemühten Einwand der höheren Kosten einheimischen Holzes lässt der Holzbauer nicht gelten. Diese seien – zumindest aus Sicht der Bauherren – gar nicht so massgebend, wie sie oft dargestellt würden. «Verwendete man für den Bau eines Hauses Nidwaldner Holz statt solches aus dem Ausland, betrüge der Unterschied der Gesamtkosten bloss etwa zwei Prozent.» Und erntbares Holz wäre in den Nidwaldner Wäldern grundsätzlich ja genügend vorhanden. Pro Jahr wachsen 36 000 bis 40 000 Kubikmeter nach, wovon aber bloss 26 000 geerntet werden.

Das wiederum dürfte dann doch mit der Kostenfrage zu tun haben, jedoch eher auf seiten der Waldbesitzerinnen und -besitzer. 140 bis 150 Franken koste es, einen Kubikmeter Holz aus dem Wald zu holen, während der Erlös mit 75 bis 80 Franken gerade mal etwas mehr als die Hälfte dieser Kosten betrage, sagt Ruedi Arnold. «Um das geerntete Volumen zu erhöhen, muss die Holzerei im Minimum selbsttragend sein. Ich verstehe, dass kein Privater holzen will, wenn er dabei Geld verliert.» Der Unternehmer bedauert die aktuelle Preissituation, denn «Holz ist definitiv mehr wert als ein Defizitgeschäft».

Die Zusammenhänge aufzeigen

Die Gesellschaft habe den Bezug zum Wald verlernt, sind sich die beiden «Holzaktivisten» einig. Das wollen sie mit dem Verein «Nidwaldner Holz» ändern. «Und dafür müssen wir den Menschen die Zusammenhänge aufzeigen», sagt Toni Niederberger. Er plane beispielsweise oft Bauvorhaben von Landwirten aus der Region. «Will ein Bauherr dann billiges ausländisches Holz verwenden, frage ich ihn, ob er seine Milch lieber dem Nachbarn zu einem guten Preis verkaufen oder günstig ins Ausland abgeben möchte. Dann sieht er ein, warum es sinnvoll ist, hiesiges Holz zu verwenden.»

Der schwindende Bezug zum Wald macht sich auch auf anderer Ebene bemerkbar. Anfeindungen durch Waldbesucherinnen und -besucher, wie sie aus stadtnahen Wäldern regelmässig gemeldet werden, seien auch dem Nidwaldner Forstpersonal nicht unbekannt. Auch in einem eher rural geprägten Kanton wie Nidwalden ist den Menschen offensichtlich je länger, je weniger bewusst, dass ein Wald gepflegt und bewirtschaftet werden muss, damit er seine Ökosystemleistungen erbringen kann. Überlässt man ihn sich selbst, verringert sich beispielsweise seine Kapazität, CO₂ zu binden und Kohlenstoff zu speichern, und irgendwann wird der Wald von einer CO₂-Senke zur CO₂-Quelle.

Der Wald steht an erster Stelle

«Um die Menschen über solche Dinge zu informieren, müssen wir sie in den Wald holen», sagt Ruedi Arnold. Deshalb plane der Verein auch, in den Schulen aktiv zu werden. Zusammen mit einer Pädagogin soll den Nidwaldner Schulkindern der Wert des Waldes und des Holzes aufgezeigt werden. «Bei dieser Generation müssen wir ansetzen. Dort können wir noch etwas bewirken.» Vielleicht profitiere er dereinst als Unternehmer sogar selbst von den heutigen Anstrengungen, räumt Ruedi Arnold ein, aber an erster Stelle stehe für ihn das Wohlergehen des Waldes: «Das ist meine Mentalität, meine Philosophie. Dem Wald muss es gut gehen. Dafür nehme ich auch in Kauf, Ende Jahr ein paar Franken weniger im Sack zu haben.»

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