Der Antennentrail auf dem Üetliberg ist eine der bewilligten Routen rund um Zürich und erfreut sich grosser Beliebtheit.Fotos: Anita Merkt

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Biker-Hotspot Üetliberg: Separate Trails sorgen für Entspannung

Für viele Waldbesuchende sind sie das Schreckgespenst schlechthin: Mountainbikerinnen und -biker, die mit einem Affenzahn den Hang hinunterbrettern. Die Stadt Zürich stellt den Bikenden offizielle Trails zur Verfügung, damit andernorts im Wald mehr Ruhe einkehrt.

Anita Merkt* | Von allen Konflikten zwischen unterschiedlichen Waldnutzenden erhitzt jener zwischen Bikenden und Spazierenden die Gemüter am heftigsten. Die Zürcher Forstleute können davon ein Lied singen: Schon Ende der 1980er-Jahre rasten die ersten Velofahrerinnen und Velofahrer mit ihren gefederten Mountainbikes den Üetliberg und den Züriberg hinunter. Förster und Wildhüter ärgerten sich schon damals über die oftmals schlammigen Trails und soliden Sprungschanzen, zu deren Bau es aus ihrer Sicht einer Genehmigung bedurft hätte. Denn das Zürcher Waldgesetz verbietet das eigenmächtige Anlegen von Bauten wie Sprungschanzen oder befestigten Trails.

«Das Problem der wilden Trails sind angefahrene Baumwurzeln und dass sie an exponierten Stellen immer breiter werden. Wenn ein Trail schlammig und rutschig ist, wird er von den Bikenden umfahren und so schnell einmal vier Meter breit», sagt Res Guggisberg, Kreisforstmeister und stellvertretender Leiter der Abteilung Wald beim Kanton Zürich. Wildhüter fürchteten um die Ruhe der Waldtiere, und Spaziergängerinnen und Spaziergänger fühlten sich von Velofahrerinnen und Velofahrern bedroht.

Wie an vielen anderen Orten versuchten die Zürcher Försterinnen und Förster, dem Treiben mit quergelegten Baumstämmen oder grossen Asthaufen auf den Trails Einhalt zu gebieten. Doch die Baumstämme wurden entfernt oder zersägt, «und aus den Asthaufen bauten die Bikenden manchmal noch eine Schanze», sagt Markus Tanner, Ex-Förster von Dübendorf. «Und seit es Akkusägen gibt, kann man das Sperren von Trails mithilfe quergelegter Baumstämme vergessen», ergänzt Förster Patrick Rhyner.

Die Bikenden sprechen ungern von illegalen Trails. Vielmehr beklagen sie, dass sie und ihr Hobby seitens Stadt und Forstleuten «illegalisiert» würden (siehe Portrait Alec Wohlgroth auf der folgenden Seite).

Sinnloses Katz-und-Maus-Spiel

Irgendwann sahen beide Seiten ein, dass das Katz-und-Maus-Spiel an den Waldhängen um die Stadt zu nichts führt. Die für die Betreuung von Grünflächen und stadteigenen Wäldern zuständige Abteilung Grün Stadt Zürich machte den Bikenden mit zwei eigens für sie angelegten Trails, dem sogenannten Antennentrail und dem später angelegten Höcklertrail, ein Friedensangebot. Die professionell angelegten Trails sollen die jährlich zwischen 5 und 15 Millionen Personen, welche die städtischen Wälder nutzen, aufgliedern. Die Bikenden würden «kanalisiert und die Nutzungsströme entflochten», heisst es denn auch im 2017 erstellten Mountainbike-Konzept der Stadt. Und weiter: «Bestehende Wege wie Waldstrassen und Wanderwege werden dadurch entlastet. Somit profitieren nicht nur die Mountainbikenden von einem attraktiven Angebot, sondern auch die zu Fuss Gehenden und Reitenden, welche weniger durch Mountainbikes gestört werden.»

Die Biker werden ausserdem mit einem «Biketrail-Verhaltenskodex» dazu aufgefordert, «die Umwelt zu respektieren, auf den Trails zu bleiben und sie aus Rücksicht auf Wildtiere nur tagsüber zu befahren». In diesem Kodex, hinter den sich auch der 2010 gegründete Mountainbike-Verein «Züritrails» stellt, heisst es darüber hinaus: «Kommen dir Leute entgegen, so mache dich mit Glocke und Gruss bemerkbar.»

Schliessung des Harakiritrails

Im Gegenzug zum Bau des zweiten Trails am Üetliberg schloss die Stadt den seit 1997 entstandenen sogenannten Harakiritrail, was in Teilen der Biker-Szene kritisiert und auch nicht von allen respektiert wird. Die Schliessung erfolgte 2015 aufgrund einer Schutzverordnung für den Üetliberg und dem Ausweisen des Waldreservats Sarbental, in dem sich der Trail befand. Auf Bikende angesprochen, die trotz Trails und Verhaltenskodex weiterhin kreuz und quer durch den Wald fahren, meint Reto Mohr, Geschäftsbereichsleiter Wald bei Grün Stadt Zürich: «Zum Glück handelt es sich dabei nur um einen kleinen Prozentsatz. Leider hat die Stadt dagegen aber keine Handhabe.»

Ob die Ziele, die man sich gesetzt hat, erreicht wurden, hat 2024 eine externe Firma evaluiert. Die Stadt nimmt deren Bericht zum Anlass, sich selbst ein sehr gutes Zeugnis auszustellen. Gemäss Reto Mohr gibt es in Zürichs Wäldern «so gut wie keine Konflikte». Die Ziele des Konzepts seien erreicht worden. Züritrails hingegen sieht dessen Ziele nur teilweise erfüllt. Bei sieben von zehn Handlungsfeldern empfehle der Bericht eine Optimierung und es sei klar, dass «das bestehende Trailangebot den Bedarf nicht deckt».

Nachhaltiger Radsport

Dass die Stadt den Mountainbike-Sport überhaupt unterstützt, hängt mit dem Anspruch zusammen, den Radsport in seinen vielfältigen Ausprägungen und eine nachhaltige Lebensweise grundsätzlich zu fördern. Der Bau von Trails und Pumptracks soll ausserdem der abnehmenden Velonutzung durch Kinder und Jugendliche entgegenwirken. Weil sich Züritrails aktiv am Bau und Unterhalt der Trails sowie an der Weiterentwicklung der Bike-Struktur beteiligt und Kinder sowie Jugendliche mit den Freuden des Bike-Sports vertraut macht, erhielt der Verein 2019 den Sportpreis der Stadt Zürich.

Trotz all dieser Bemühungen wird es immer Spazierende oder Hundehaltende geben, welche sich von Bikenden gestört oder bedroht fühlen. Auf der anderen Seite begeistern sich lange nicht alle Bikenden für fixfertig gebaute Trails. «Die Illegalität wird auch mit weiteren Trails nicht völlig verschwinden», ist sich Patrick Rhyner bewusst. Mit dem neuen Trailkonzept, das derzeit für den Züriberg geplant ist, werde man 95 Prozent der Biker «ein freudiges Angebot» machen können. Man könne aber nicht die Ansprüche aller Hardcore-Bikenden befriedigen.

 

Der Geschäftsleiter des Vereins Zürcher Wanderwege, Flavian Kühne, hält die Strategie der Entflechtung der verschiedenen Wanderwegnutzenden bei stark frequentierten Wegabschnitten für eine gute Sache. «Ich habe seit Langem keine E-Mail mehr erhalten, in der sich Wandernde über Bikende beklagen», sagt er. «Sicher gibt es wie im Stras­senverkehr ein paar schwarze Schafe, die sich nicht zu benehmen wissen», räumt er ein. Doch das Wegenetz gehöre allen. «Wenn alle nach bestem Wissen und Gewissen unterwegs sind, sollte eine friedliche Koexistenz kein Problem sein.»

Auch die Zürcher Wanderwege sind an der Erstellung des kantonalen Mountainbike-Konzepts beteiligt. Der Verein macht zudem bei Alec Wohlgroths Aktion «Zäme Happy» mit. Flavian Kühne selbst hatte «als Fussgänger noch nie eine schlechte Begegnung mit einem Bikenden». Zum Glück seien viele Fussgängerinnen und Fussgänger gelegentlich selbst mit dem Velo unterwegs
und hätten daher «Verständnis für die
andere Seite».

Dies sind nur einige der wie immer vielen spannenden Geschichten in der neuen Ausgabe von WALD und HOLZ. Das Heft ist ab sofort erhältlich. Wald und Holz jetzt abonnieren

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